Die Eisheiligen

 

 

 

Das Phänomen ist TROTZ SEINER MITTELALTERLICHEN HERKUNFT meteorologisch begründbar“

 

Als ich diesen Untertitel eines Artikels zu Thema „Eisheilige“ im „Kurier“ vom 11. Mai, las,

 konnte ich diese Formulierung des Satzes einfach nicht fassen.

 

Es spricht daraus soviel Verachtung für die Menschen, die vor uns gelebt haben. Es ist eine Verachtung unserer Ahnen. Ist ihre Erkenntnis, dass es im Monat Mai noch Frost geben kann, die sie durch Beobachtung des Wetters und Erfahrung gewonnen hatten, weniger vertrauenswürdig als die metereologische Begründbarkeit? Ist sie so verwunderlich, weil sie offensichtlich bis jetzt nicht durch unsere heutigen wissenschaftlichen Methoden abgesegnet war. Oder war es nur ein Zufall, dass diese „rückschrittlichen“ Menschen ohne Messungen, Statistiken und Computerprogramme schon gewußt hatten, dass sie mit der Auspflanzung empfindlicher Gemüsearten bis nach den Eisheiligen warten sollten. Etwas weniger Hochmut wäre für uns, die wir jetzt auf der Erde leben, angebracht und heilsam.

 Alles was wir heute wissen oder zu wissen glauben, baut auf dem Wissen und der Erfahrung unzähliger Generationen von Ahnen auf. Die Vorstellung, dass wir unseren Ahnen überlegen wären, sollten wir einmal einer gründlichen Prüfung unterziehen. Nur weil wir heute nichts mehr

 für wahr halten dürfen, was nicht in das enge Korsett der sogenannten Wissenschaft passt, heißt das nicht, dass es in früheren Zeiten nicht andere Wege der Erkenntnis gab. Und wir sollten auch bedenken, dass vielleicht unsere Nachkommen neue Wege finden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Das heutige Wissen für absolute Wahrheit anzusehen widerspricht der Realität des steten Wandels.Die Entwicklung ist auch nicht linear sondernspiralenförmig, wie wir durch die Betrachtung der Menschheitsgeschichte erkennen können. Vielleicht werden künftige Generationen wieder entdecken, dass unsere Wahrnehmung, die sich als objektiv begreift, weil sie alles in Zahlen darzustellen vermag, doch nur einen Ausschnitt des Lebendigem erfasst.

 Unsere Ahnen sind uns vorausgegangen. Wir sind mit ihnen verbunden. Achten wir sie so, achten wir auch uns selbst..