Bauernsterben

 

 

"Bauersein ist kein Job, sondern eine Aufgabe. Bauern denken in Generationen" (Jochen Borchert)

 

Was passiert, wenn immer mehr Bauern aufgeben, weil ihre Arbeit nicht wertgeschätzt und entsprechend vergütet wird?  Seit tausenden Jahren haben die Bauern für die Ernährung der Menschen gesorgt. Bauer zu sein bedeutete schwere körperliche Arbeit und große Verantwortung. Der Erfolg ihrer Arbeit hing auch immer von den Wetterverhältnissen ab und sie mußten den  richtigen Zeitpunkt für Ausssaat und Ernte erkennen. Die Bauern waren die Hüter des Bodens und die  Gestalter der Landschaft. Sie wußten, wie man mit der Natur zusammenarbeitet durch Beobachtung und Erfahrung. Dieses Wissen gaben sie von Generation zu Generation weiter und bewahrten so die Fruchtbarkeit ihrer Äcker.

Werden die Bauern aber in ihr Existenz bedroht und geben ihre Höfe auf, gerät Grund und Boden meist in die Hände der Agrarindustrie. Für diese ist nur der Erfolg an der Börse ausschlaggebend. Die Äcker werden immer größer, ohne Bepflanzung der Raine mit Büschen und Bäumen, die ein natürliches Mikroklima für Tiere aller Art bieten würden. Riesige Monokulturen , die nur mit intensiven Pestiziteinsatz aufrechterhalten werden können, entstehen. Die Böden werden ausgelaugt  und verdichtet durch die tonnenschweren, monströsen Maschinen. Tiefes Pflügen zerstört das Leben der Kleinstlebewesen unter der Erde. Der Wind trägt den Humus davon und es ist nur eine Frage der Zeit bis der Boden unfruchtbar wird. Ein Zeit lang kann man vielleicht noch mit Gentechnik und heftigem Einsatz von Umweltgiften und Kunstdünger weiterwurschteln. Aber wie lange diese Mißhandlung der Erde noch ungestraft weitergehen kann, ist ungewiss. Wie bei allen  auf schnellen, hohen Gewinn ausgerichteten Unternehmen, ist Nachhaltigkeit für die Agrarindustriellen ein Fremdwort. Sie sehen sich wahrscheinlich als Realisten, die keine Naturromantiker oder versponnene Nostalgiker sind. Sie kommen gerne mit dem Argument, dass man ohne Gentechnik und Vergiftung der Böden die Weltbevölkerung nicht ernähren könne. Aber statt die Nahrungsmittel gerecht zu verteilen, landen die meisten Produkte doch in den reichen Ländern, wo durch gefinkelte Werbestrategien ständig neue Bedürfnisse  geweckt werden. Und große Mengen von Essbarem im Müll landen.

 In Wirklichkeit ist ein gesunder Boden auch heute noch die Grundlage für die Gesundheit aller Tiere und Menschen auf dieser Erde. Und biologische Landwirtschaft sollte die Regel sein und nicht eine Ausnanahme, die nur einem gewissen Prozentsatz der Bevölkerung  zu Gute kommt. Denn nur im Zusammenwirken mit den Naturkräften können unsere Bauern Lebensmittel wachsen lassen, die wirklich nährend und heilsam für uns sind. Zur Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit können wir auch selbst beitragen, wennwir bereit sind für  wertvolle Produkte mehr zu zahlen und lernen Gutes zu genießen, statt gedankenlos billiges, Essen in uns hineinzustopfen.

Und vergessen wir niemals, dass wir selbst ein Teil der Erde sind. Alles was wir der der Erde und dem Leben auf der Erde antun, tun wir uns selbst an.